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Auf dem Weg zur EuroPride 09 (April 2009) Drucken E-Mail

Michael RüeggIm Jahr 1969 führte die Polizei eine Razzia im Stonewall Inn an der Christopher Street in New York City durch; die Lesben und Schwulen der Stadt setzten sich umgehend zur Wehr. An diese symbolische Geburtstunde der modernen Homosexuellenbewegung erinnert rund vierzig Jahre später die EuroPride 09, die vom 2. Mai bis 7. Juni in Zürich stattfindet.

von Martin Mühlheim

Michael Rüegg ist Kommunikations-Verantwortlicher der EuroPride 09 und zeigt sich im Interview vom Erfolg des Grossanlasses überzeugt: Selbst in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld und trotz immer noch verbreiteter Vorbehalte gegenüber lesBischwulen Events habe man genügend Werbepartner gefunden, um die Finanzierung eines vielfältigen Programms zu sichern.

Wozu überhaupt?

Für die Frage, was der Sinn der EuroPride 09 sei, hat Michael deshalb nur wenig Verständnis: „Was ist der Sinn des Sechseläutens? Was ist der Sinn von Ostern und Weihnachten? Die EuroPride ist ein Fest der LGTB-Community – wir brauchen uns dafür nicht zu rechtfertigen.

Die Reaktionen auf Einladungen zur EuroPride weisen zudem darauf hin, dass es mit gesellschaftlicher Akzeptanz nicht so weit her ist, wie man manchmal gerne glauben möchte. Michael stimmt es jedenfalls nachdenklich, wenn öffentliche Persönlichkeiten zwar „die Sache an sich“ gut finden, dann aber erklären, sie würden bei homosexuellen Themen grundsätzlich absagen. Angesichts solch bedenklicher Äusserungen erübrigt sich die Frage nach dem Sinn der EuroPride 09.

Hochkarätiges Programm

Teilnehmen wird glücklicherweise ein Gastredner von wahrhaft europäischem Format: Daniel Cohn-Bendit ist Sohn jüdischer Eltern, deutsch-französischer Doppelbürger, war führender Kopf der 68er-Bewegung und später Moderator verschiedener Fernsehsendungen (unter anderem des Literatur-Clubs im Schweizer Fernsehen). Seit 1994 politisiert er als Mitglied der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament in Strassburg, und „Dany le Rouge“ wird mit seiner mehrsprachigen Wortgewandtheit auch das Publikum an der EuroPride 09 mitreissen.

Einheimische Gäste und Partner sorgen ebenfalls für Stimmung am grossen Fest. Die kürzlich gewählte lesbische Stadtpräsidentin Corine Mauch wird die Besucher aus ganz Europa in Zürich willkommen heissen, und Klassiker wie das schwullesbische Filmfestival Pink Apple und der Kulturmonat «warmer mai» organisieren ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Michaels rhetorische Frage: „Wo sonst bietet sich einem die Gelegenheit, auf der Zürcher Opernbühne an einem Apéro mit den Tänzerinnen und Tänzern des Zürcher Balletts teilzunehmen?“

Vom Podium zur Party

Weitere Veranstaltungen beschäftigen sich wissenschaftlich und fachspezifisch mit lesBischwulen Themen. Eine besondere Premiere ist beispielsweise eine geschlossene Tagung des Polizeikorps, die nicht zuletzt zu einem bewussteren Umgang mit den Problemen und Anliegen der LGTB-Community führen soll. Öffentlich zugänglich sind unter anderem eine Menschenrechts-Tagung und, wie jedes Jahr, die beliebte Zooführung zum Thema Homosexualität im Tierreich.

Wer sich intellektuell verausgabt hat, kann zum Ausgleich am EuroPride 09 Sports Weekend teilnehmen: Von Aerobic über Fussball bis Wrestling ist für alle Sportbegeisterten etwas dabei. Ihre Kräfte sparen sollten laut Michael hingegen jene, die an allen Parties der EuroPride 09 dabei sein möchten; nur wer haushälterisch mit der eigenen Energie umgeht, wird die rund 45 Events einigermassen unbeschadet überstehen.

Mithilfe notwendig

Ohne die Unterstützung anderer lesBischwuler Organisationen sowie der Stadt Zürich wäre ein Grossanlass wie die EuroPride 09 selbstredend nicht durchführbar. Die organisatorische Hauptarbeit leistet dabei ein Team von Freiwilligen, angeführt vom neunköpfigen Vorstand unter dem Ko-Präsidium von Karin Grundböck und Jürg Koller. Bis zur Opening Ceremony am 2. Mai (mit Stargästen wie Michael von der Heide oder Nubya) bleibt noch vieles zu tun, und HelferInnen können sich gerne anmelden auf www.europride09.eu (unter "Mitarbeit").

Letzliche leisten für Michael Rüegg jene den grössten Beitrag zur EuroPride, die teilnehmen - und ihre Freunde und Familie mitbringen, vor allem zum grossen Umzug am 6. Juni. Geschieht dies, dann kann Zürich stolz sein auf ein Symbol der Offenheit gegenüber den LGTB-Communities weltweit.