Harvey Milkvon Markus Kipfer  Es ist Mittwochabend, ich sitze in der fast leeren Acht-Uhr-Vorstellung und schaue mir "Milk" an. Ein Freund hat mir die Karten zum Geburtstag geschenkt, und nach ein paar Versuchen hat es nun geklappt.
Ich gebe zu, ich war nicht wirklich scharf auf "Milk". Ich kannte die Story vom Hörensagen und habe mich gefragt: "Wie macht man daraus einen Hollywood-Film?" Und: "Was interessiert mich ein schwuler Hippie, der es in San Francisco zum Stadtrat gebracht hat?" Sean Penn hin oder her.
Aber der Film hat mich umgehauen. Es war ein Meer von Emotionen. Ich habe gestaunt, war verängstigt, entsetzt, stolz, beeindruckt, froh, traurig. Und natürlich habe ich geheult. Und mein Begleiter auch.
Der Film hat mir die Augen geöffnet darüber, wie es in den 1970er Jahren war, schwul zu sein, mit welchen Vorurteilen, mit welchen unbegreiflichen moralischen und juristischen Monstrositäten – denkt bloss an den Jungen, den seine Eltern in eine psychiatrische Klinik einliefern wollten, um ihn von seiner Homosexualität zu heilen – unsere Brüder und Schwestern bloss ein bis zwei Generationen vor uns käpfen mussten. Und wie toll wir es im Moment haben.
Aber wiegen wir uns nicht in falscher Sicherheit. Im Moment sieht es in der Schweiz zwar gut aus, aber wir sind bloss toleriert, nicht akzeptiert bzw. respektiert; unser grösster Sieg der letzten zehn Jahre ist eine eingetragene Partnerschaft, nicht eine Ehe, und adoptieren dürfen GLBT-Paare immer noch nicht. Dass Religiöse und rechte politische Parteien gegen uns kämpfen, d.h. uns zu Illegalen machen wollen, ist ausserdem wohl nicht neu. (Denkt an die Polemik um die Europride 09…) Und schliesslich: Weltweit betrachtet gibt es hinsichtlich lesBischwuler Rechte noch sehr, sehr viel zu tun.
Wer "Milk" noch nicht gesehen hat, dem kann ich deshalb nur ans Herz legen, den Film zu sehen!
Uebrigens, all das hat es natürlich, leider, auch in der Schweiz gegeben. Nur gibt es hiezu keinen Film mit Sean Penn. Wen es interessiert, schaut euch im Schwulenarchiv um, da gibt es jede Menge interessantes Material. Ein heisser Tipp: "Der Kreis."
Engagiert euch, setzt euch ein, kämpft, zeigt euch, geht auf die Strasse, lasst euch nicht einschüchtern. Es geht um unser Leben, unsere Zukunft, unsere Freiheit!
CU, Markus
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
|