zu planen, etc.
InformationE-Mail
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
Bericht über den Bi-Treff vom 29. Oktober 2009
War das ein spannender Abend gestern. Wir trafen uns wie immer am letzten Donnerstag im Monat um 19:00 im Cafe Rathaus am Limmatquai. Die Freude über das Wiedersehen deutlich spürbar und die Begrüssung entsprechend liebevoll – Männer umarmen Männer in der Öffentlichkeit. Punkt. Dann die erste Frage die auf mich zukommt, wie geht es mit Deiner Frau, und gleich ging es munter los, kreuz und quer waren wir mitten im Thema. Dann kommen die Getränke und wir stossen auf unsere Frauen an. Auf unsere Frauen und dass es gut geht mit ihnen. Und gleich die nächste Frage; und mit Deinem Liebhaber, läuft das immer noch? Freude, Leichtigkeit und Lachen kommen auf. Ein bunter Haufen Mannen der dann miteinander zum Restaurant Marion pilgert. Erstaunlich der schnelle Wechsel zwischen fröhlicher Ausgelassenheit und ernsthaften, anteilnehmenden Gesprächen.
Spannend auch meine Gesprächspartner beim Essen. Neben mir sitzt ein fünfunddreissigjähriger Verheirateter, der faszinierend erzählt dass er nun mit seiner Familie in die Nähe des Wohnortes seines Freundes gezogen sei. Sein Freund sei auch Götti eines seiner Kinder und hüte einmal pro Woche zusammen mit ihm seine Kinder. Er sei auch schon mit der ganzen Familie in die Ferien mitgekommen und im Dorf wisse wahrscheinlich die Mehrheit über die besonderen Familienverhältnisse Bescheid. Man solle die Toleranz der „Bergler“ nicht unterschätzen, meine er. Wir staunen alle, und ich musste ehrlich sagen, dass ich ihn beneide. Dann wird das Gespräch ernster. Es sei aber nicht immer einfach, lässt er uns in sein Inneres sehen. Erstens brauche es sehr viel Kraft, denn beide Partner brächten ja auch ihre Bedürfnisse und Probleme in diese Dreierbeziehung ein, und das brauche halt dann doppelt soviel Kraft den Anforderungen gerecht zu werden. Und manchmal sei da halt schon noch so etwas wie ein schlechtes Gewissen wenn er dem einen gäbe was der andere eigentlich im Moment auch nötig hätte – so zumindest habe ich das verstanden und konnte es gefühlsmässig auch gut nachvollziehen. Im Gespräch bleiben müsse man halt, das sei das Wichtigste, sagte dieser für mich sehr beeindruckende Mensch dann beim Abschied.
Mir vis-a-vis ein sechsundfünfzigjähriger verheirateter Mediziner, der mir voller Begeisterung erzählt wie er nach jahrzehntelanger Ehe zum ersten Mal mit einem Mann geschlafen hat. Sein Gesicht, sein ganzes Wesen fängt an zu strahlen, er habe sich endlich wieder ganz gespürt, von den Haarspitzen bis in die einzelnen Zehen, fast übergeschnappt vor Lust sei er, als ihn sein Liebhaber zwischen dem dritten und vierten Zeh liebkost habe. Da sei soviel Zärtlichkeit und Leidensschaft gewesen in dieser einen Nacht. Und ich verstehe ihn, weiss es aus eigener Erfahrung, erzähle ihm von der unendlich schönen Nähe, die ich mit meinem Liebhaber erfahren darf. Seiner Frau möge er davon nichts erzählen, meinte er. Nach all den Bemühungen um sie, nach dem jahrelangen immer wieder abgewiesen und vertröstet werden, habe er auch kein schlechtes Gewissen nun anderswo gefunden zu haben, was ihm in seiner Ehe verwehrt geblieben sei. Und ich erzähle ihm vor dem Verletzt sein meiner Frau, die von meinem Verhältnis zu einem Mann weiss. Ein tiefes Verständnis entsteht zwischen uns.
Schön so offen miteinander sprechen zu können. Wenn er eine Liebesbeziehung mit einem Mann eingehen würde, sinnierte mein Gegenüber, er glaube das würde er dann seiner Frau schon erzählen.
Schön zu acht an einem Tisch zu sitzen, an dem die Norm ist, dass alle bisexuell sind. Wir haben für einen Moment der Norm entsprochen. Wir alle. Wir führten normale Gespräche unter normalen Männern. So müsste es sein, dachte ich auf dem Heimweg.